Samstag, 29. Juni 2013

Spannung



Ich grüble gerade über Spannungsbögen. Ein Spannungsbogen für das Gesamtwerk des Helden, einen für den jeweiligen Einzelband und einen für jeden meiner Handlungsstränge, wobei sinnvollerweise auch die einzelnen Szenen dramaturgisch aufgebaut sein sollten. Das schaut insgesamt dann so aus:




Bei genauerer Betrachtung gibt das einen ziemlichen Knoten. Teppichweben ist vermutlich einfacher. Aber nicht so spannend. Ich habe mich jetzt hingesetzt und für Band III einmal sorgfältig geplottet. Dabei habe ich sehr darauf geachtet, dass

a)      jeder Handlungsstrang seinen ausgebauten Spannungsbogen erhält,

b)      diese einander abwechseln, sodass über das Buch immer irgendwo „Spannung“ besteht,

c)       die verschiedenen Spannungsbögen dem großen Spannungsbogen des Bandes dienen,

d)      dieser Spannungsbogen wiederum sich in den großen Bogen der Reihe einfügt.

Rückwärts geht es leichter. Wobei das nicht viel heißt. Von „schier unmöglich“ habe ich mich jetzt doch immerhin zwei bis vier Nanometer in eine ermutigende Richtung bewegt.

Spannung entsteht überall dort, wo sich dem Leser Fragen aufdrängen, die er beantwortet haben möchte. Etwa, was mit Izmaban geschieht und ob Xeroan ihr helfen kann? Oder ob Punica es schafft, das Komplott gegen Bandor zu verhindern? Oder ob Kaska das Geheimnis der Hexen lüftet? Oder ob Barrad seine Nordmark retten kann? Oder wie es Lyri auf der Reise geht, die sie unverhofft ins Gebiet der seltsamen Rebellen führt.

 Der Leser hofft, dass die Figur ihre Ziele erreicht – bzw. dass ihre Gegner scheitern. Doch der Weg dorthin ist wendungsreich und schwierig – und an der Frage, „ob“ der Held es schafft, oder auch „wie“ es ihm gelingt, führt der Autor seine Leser an das Buch heran, durch den Text hindurch und auch zum nächsten Band. Und zum nächsten…
Mit dieser Hoffnung entsteht dann auch für den Autor ein gerüttelt Maß an Spannung. Mehr noch als beim Leser vermutlich, wenn man nicht eine so derart treue Fanbase hat, dass man eh weiß, dass man gelesen wird.
Hm... Nein, ich glaube, selbst wenn man Millionen von Lesern hat, wenn man international gehypt wird und seine Bücher die Eingangshallen aller Buchkonsumtempel dieser Welt schmücken... man fürchtet sich trotzdem davor, mit seinem Herzenswerk abgelehnt zu werden.
Mir geht es jedenfalls immer so. Wenn ich höre, dass jemand eins meiner Bücher gekauft hat, dann freue ich mich. Wenn er es nicht liest, weil er keine Zeit hat, keine Lust, erst was anderes dran ist... dann macht mich das traurig, weil ich mich doch so gefreut habe. Wenn er es aber liest - dann fiebere ich mit, hänge an seinen Lippen, warte auf ein erlösendes Lächeln, auf ein rasches Weiterblättern, auf ein Zeichen, dass es ihm gefällt, was ich in vielen langen Nächten geschrieben habe. Das ist nervenzerfetzender Suspense, sage ich Euch. Ein Sturm von Gefühlen, dem ich mich ausliefere.
 
Und zwischendrin braucht der Held ebenso wie der Leser auch ein wenig Entspannung. Und in diesem Sinne haben wir uns jetzt auch ein schönes Wochenende verdient. Ich geh dann mal Spannungsbögen basteln…

(Das Bild ist von www.piqs.de. Some rights reserved: "Jim Tompsons Handbag" - Johan J. Ingles)