Freitag, 22. Januar 2016

Wann ist ein Autor ein Autor



Oh Mann!
In einer Buchgruppe wurde letztens Unmut darüber laut, dass sich quasi jeder heutzutage Autor nennt - oder vielmehr schimpft. Sofort wurde mit der in sozialen Netzwerken leider heute üblichen Emotionalität darüber gestritten, wann sich wer unter welchen Voraussetzungen als Autor oder gar Schriftsteller bezeichnen darf. Die einen sagten, Autoren seien Personen, die Bücher schreiben, die sie (die Leser) mögen. Andere meinten, bevor man sein Buch nicht in einem Buchladen stehen hat, sei man kein Autor. Wieder andere meinten, das sei jedem selbst überlassen.
Halten wir also fest - es ist schwierig.


Vielleicht sollte man die ja durchaus spannende Frage daher einfach mal ohne Emotionen ganz wissenschaftlich angehen:
 

Sprachliche Herleitung 


Das Wort "Autor" ist lateinischen Ursprungs und besagt zunächst mal dem Duden zufolge nur "Urheber". Nach heutigem Sprachverständnis Urheber eines Textes, also "Verfasser". 
 

Juristische Definition 


 
"Urheber" ist nach § 7 UrhG der "geistige Schöpfer" eines Werkes. 
Also derjenige, der diktiert und nicht etwa der Assistent, der für ihn schreibt.
Das ist auch wichtig in Bezug auf Plagiatsfälle und Ideenklau. 

Damit ist grundsätzlich also auch ein Blogger ein Autor, ebenso Journalisten und Redakteure von Zeitungen und Magazinen.
 
Nicht maßgeblich ist, ob das Werk veröffentlicht wurde und/oder gegen Geld vertrieben wird. 
Also auch ein Tagebuchverfasser ist ein Autor.
 

Autor oder Schriftsteller?


Die wörtliche Unterscheidung zwischen Autor und Schriftsteller ist eine gefühlsmäßig willkürliche und findet weder im Duden sprachlich noch im Verlags- oder UrhG rechtlich eine Grundlage. 

Von daher wird der Begriff gar nicht so inflationär verwendet, wie von den echauffierten Zeilenspringern befürchtet, letztlich ist jeder, der in einer Facebook-Gruppe mitschreibt auch schon ein Autor.
 

Arten von Autoren? 

Wir kommen also nicht umhin, zwischen den verschiedenen Typen von Autor zu unterscheiden:

  • Blogger, Redakteure und Journalisten als Spezialautoren. 
  • Schriftsteller als Buchautoren.  
  • Verlags-, Hybrid-, und Selfpublishing-Autoren nach dem VÖ-Weg.
  • Hauptberufliche, nebenberufliche oder Freizeitautoren nach dem wirtschaftlichen Interesse.  
  • Bestseller-, Newcomer- und Schundautoren nach dem Erfolg des Buchs.  
  • Roman-, Sach- und Fachbuchautoren nach dem Themengebiet 
  • Krimi-, Fantasy-, Horror-, Erotikautoren nach dem Genre.
  • Lieblings-, Nerv-, und Möchtegernautoren nach dem persönlichen Sympathiegrad.
Nur ganz ehrlich - die Begriffe Buchhandlungs-, Online- oder E-Bookautor, die fühlen sich für mich irgendwie falsch an. 

 

Aber hey, ....  

Am Ende ist es egal und man kann sich im auf einen ganz einfachen Kernsatz einigen: 

"Schreiber schreiben!"


Waaaaahnsinn, was wir doch für ein überaus bunter Haufen sind. 
Bunt ist meine Lieblingssprache!